Die Tür gab dem wuchtigen Tritt des Ritters mit einem lautem Bersten nach. Sofort drehte er sich zur Seite und das schwebende Schwert schoss an ihm vorbei. Dass es im Holzschild der kampfbereiten jungen Kriegerin im Innern des Gasthauszimmers stecken blieb, räumte den letzten Zweifel aus: Hier hatte man es nicht mit einer Abenteuergruppe aus dem Süden zu tun, sondern mit einer in Tarnung reisenden Truppe der Hand Borons. Und was die hier mitten in Almada wollten, war offenkundig: Sie hatten es auf den Raben abgesehen.
Der Ritter stürzte sich mit einem wütenden Aufschrei ins Innere und trieb die Kriegerin mit wuchtigen Stößen der klobigen Waffe zurück. Ein Gegner hatte sich auf dem Dachbalken verborgen und stürzte sich auf den Ritter, doch bevor er mit dem gifttropfenden Dolch zustechen konnte, fuhr ihm aus den Fingerspitzen der Praios-Geweihten ein gleißender Sonnenstrahl in die Augen. Er landete geblendet mit einem Fuß auf der Kante eines der Doppelbetten und krachte zu Boden. Der Ritter trat ihm mit dem gepanzerten Fuß vor den Kopf.
Der kräftige Mann, der sich als Abenteurer ausgegeben hatte, war nun mit Langschwert und Veteranenhand bewaffnet und sprang auf den Flur hinaus, um die Praios-Priesterin anzugehen. Die wollte göttlichen Schutz erflehen, aber ihre Stimme versagte und sie fasste sich an die Kehle. Das leise Lachen der glatzköpfigen Frau im Innern des Zimmers machte klar, warum. Das Langschwert des Gegners bohrte sich tief in den Bauch der Priesterin, doch im nächsten Moment ging er von zwei Schwertern – eines in der Hand des Fähnrichs, eines schwebend – getroffen zu Boden.
Die Priesterin zog sich stöhnend das Schwert aus dem Bauch und musste sich auf den Fähnrich stützen, aber sie hielt sich auf den Beinen.
Im Innern des Gasthauszimmers standen die beiden Frauen lauernd zwischen den Betten. Die Kriegerin hatte den Rabenschnabel erhoben und schützte mit dem Schild sowohl sich, als auch ihre Gefährtin, auf deren Stirn nun ein Boronsrad deutlich machte, mit wem man es zu tun hatte.
„Ergebt euch“, forderte die Praios-Geweihte. „Mein Ehrenwort, dass ihr leben werdet.“
„Pah!“, machte die Kriegerin und ruckte herausfordernd mit dem Oberkörper vor.
„Würdet Ihr Euch ergeben, an unserer Stelle?“, fragte die Boron-Priesterin ruhig.
Kurz herrschte angespannte Stille. Dann sagte die Frau mit dem Sonnenzepter wie immer die Wahrheit: „Nein.“
Die Kriegerin warf sich mit einem Aufschrei nach vorne. Der Ritter schaffte es eben noch, die Geweihte des Sonnengottes beiseite zu ziehen und den Rabenschnabel mit dem gepanzerten Unterarm abzufangen. Der Schmerz pochte bis zur Schulter, trotzdem riss er den Bidenhänder hoch und ließ ihn herunterkrachen.
„Keine Gnade“, rief der Fähnrich und besiegelte damit das Schicksal der Eindringlinge.
Schicksalspfade? Mehr dazu finden Sie im Aventurischen Boten 151.
